Die Gerechten

Das Wir Gewinnt!
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 Betreff des Beitrags: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Di 31. Mär 2009, 18:17 
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Roman
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*zitter* So, meine Fortsetzung ist schon lange fertig, ich hab immer wieder rumprobiert, letztendlich ist es dann doch ganz anders geworden, als ich es eigentlich geplant hatte... :roll:
Aber was soll man machen?
Kritisiert es einfach... :D

Anders war sie immer gewesen. Auch wenn man sie nicht kannte, etwas zweifelhaftes, schrecklich Verhärtetes sprang aus ihren Augen. Ich als ihre beste Freundin hatte sie ihr ganzes Leben begleitet, mit Tränen, Wechseln und Verwunderung. Doch erst jetzt nach 14 Jahren ihres Lebens, würde es sich alles erklären. Als ich durch die Holztür mit dem Messingknopf trat, meine beste Freundin an der Hand, wurde ich in der Zeit zurückgeworfen und alles kam wieder hoch.
Kennen gelernt hatten wir, ich und Hannah, uns vor zehn Jahren. Mit unschuldigen vier Jahren waren wir in den gleichen Kindergarten gegangen, hatten uns angegrinst und schließlich auch angefreundet. Süß hatten wir ausgesehen, mit langen, geflochtenen Zöpfen und einem breiten Lächeln auf den speckigen Gesichtern. Dort war alles noch richtig, glaubhaft gewesen. Wir hatten zusammen Sandkuchen gebacken, einfach eine glückliche Zeit verbracht. Hannah war oft zu uns in unser blaues Haus am See gekommen und hatte mit mir und meiner älteren Schwester im See geplanscht. Als wir beide jedoch einmal geplant hatten, dass ich auch sie einmal zuhause besuchen und ihre Familie kennen lernen durfte, hatte uns ihre Mutter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie hatte Hannah an der Hand genommen und ihr etwas leise und eindringlich gesagt. Hannahs Mutter hatte geglaubt, dass ich zu klein gewesen war, als das ich etwas verstanden könne, doch ich hatte alles mitbekommen. „Papa ist da!“, waren die Worte gewesen und sie hätten mich nicht weiter interessiert und ich hätte sie nicht für weiter wichtig gehalten, wenn nicht Hannah unsere Verabredung sofort abgesagt hätte. Ich war verwundert und verletzt gewesen, hatte mich bei meiner Mutter ausgeheult. Nach meiner Geschichte hatte sie erstaunt und nachdenklich geschaut und hatte mir gut zugeredet. Vielleicht würde Hannahs Vater ja keinen Besuch wollen. Damals hatte ich mich damit zufrieden gegeben und es als verständliche und ausreichende Entschuldigung dafür empfunden, dass ich nicht mit ihr nach Hause konnte.
Auch zwei Jahre später, bei unserer Einschulung hatte ich in ihrer Gegenwart noch nicht schlecht gefühlt. An besagtem Tag, dem Einschulungstag, war Hannah zu spät zur Schule und somit auch unserem Unterricht gekommen. Zwar hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt nur ein Einschulungslied gesungen, aber ich hatte mich gewundert, vor allem über das tränenüberströmte Gesicht von Hannah. Als ich sie in der Pause auf ihre Tränen angesprochen hatte, war sie einfach weggegangen. Nun, ich kannte Hannah und war nicht allzu besorgt gewesen. Sie war ein schüchterner und zurückhaltender Typ und konnte leicht in Tränen ausbrechen. So gerieten ihre Tränen schnell in Vergessenheit und ich hatte nicht mehr daran gedacht. Vielleicht war ich auch egoistisch gewesen, aber mir war in den ersten drei Jahren der Grundschule nur am Tag der Einschulung aufgefallen, dass Hannah immer öfter in Tränen ausbrach und sich teilweise ziemlich komisch verhielt.
Erst am Termin der Fahrradprüfung, die ziemlich am Ende der vierten Klasse stattfand, merkte ich das erste Mal eine große Veränderung. Hannah konnte super Fahrrad fahren. Es war schon immer ihr großer Triumph und Erfolg gewesen, dass sie gut Fahrrad fuhr und alle hatten sie immer bewundert. Doch an dem Tag der Fahrradprüfung war Hannah auf ein Mal total schlecht Fahrrad gefahren. Sie war sogar von ihrem Fahrrad gefallen und hatte gewimmert und gequengelt wie die sechsjährige kleine Hannah mit dem Sprachfehler, die sie gewesen war. Alle hatten gelacht, da wir nicht verstanden hatten, was das bedeutete. Nur mir war die Veränderung aufgefallen, denn wie schon gesagt war sie meine beste Freundin und ich war die einzige, die wirklich etwas mit ihr machte. Diesmal war es mir immer schwerer gefallen den Vorfall zu vergessen und ich hatte immer öfter eine Veränderung in ihrem Benehmen gemerkt. Manchmal war sie die sechsjährige Hannah gewesen, dann wieder eine normale zehnjährige Hannah, dann plötzlich eine alte, weise Hannah. Einmal hatte sie mich sogar auf Englisch angesprochen. Ich hatte es für einen Witz gehalten, eine Verarsche und ich gelacht.
Gemeinsam kam ich mit ihr dann auch bald auf das Gymnasium. Immer häufiger wechselte sie zwischen ihrem Verhalten und ich wusste bald nicht mehr, was ich von dieser und dieser und dieser und dieser Hannah halten sollte. Bald zählte ich bei ihr mehr als zehn verschiedene Verhaltensmuster, die bei ihr auftraten. Und es kamen immer noch welche dazu. In der siebten Klasse waren wir beide totale Außenseiter, da keiner etwas mit Hannah und ihrem komischen, sich immer verändernden Verhalten zu tun haben wollte. Ich war bei ihr geblieben, denn ich konnte Hannah nicht alleine lassen. Klar, sie wollte mir nicht sagen, was es mit ihrem komischen Verhalten auf sich hatte – ich glaubte sie schämte sich – aber langsam war ich immer nervöser geworden.
Schließlich an einem warmen Sommernachmittag in der achten Klasse, als ich wieder einmal versucht hatte Hannah die Wahrheit zu entlocken und gescheitert war, war ich am Computer gesessen. Meine Hände hatten vorsichtig angesetzt und ich hatte zögerlich die Symptome eingetippt, die ich bei Hannah seit der letzten drei – vier Jahre bemerkt hatte. Verschiedene Verhaltensmuster, die verschiedene Sprachen sprechen und von anderem Alter sind. Verschiedene Gefühlszustände, kann sich manchmal an Personen und Dinge nicht erinnern…
Als ich diese Symptome in meine Lieblingssuchmaschine eingetippt hatte, waren zwei Wörter erschienen. Dissoziative Identitätsstörung. Meine Finger hatten gezittert und ich hatte schließlich entschlossen auf den Link zu der Homepage gedrückt. Kurz waren die ganzen Buchstaben vor meinen Augen verschwommen, doch ich hatte mich wieder eingekriegt und den Text zur Dissoziativen Identitätsstörung gelesen.
Die Dissoziative Identitätsstörung – auch bekannt als Multiple Persönlichkeitsstörung –bezeichnet das Vorhandensein von zwei oder mehr unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszuständen, die wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der betroffenen Person übernehmen. Als Ursache für die Dissoziative Identitätsstörung wird wiederholter Missbrauch in der Kindheit angenommen.
An dieser Stelle war ich zusammengezuckt. Das also war der Grund gewesen, warum ich nie zu ihr nach Hause sollte, warum ihre Mutter Hannah gesagt hatte, dass ihr Papa da seie. Plötzlich hatten alle Tränen von Hannah für mich einen Grund gehabt und ich hatte mich zwingen müssen, den Text weiter zu lesen.
Die Aufspaltung in zwei oder mehr Teilidentitäten kann als Versuch verstanden werden, mit dem erlebten Trauma zurechtzukommen: Das reale Geschehen wird vom Bewusstsein abgetrennt. Die Behandlung der Dissoziativen Identitätsstörung ist meist langwierig. Ziel ist es, eine größtmögliche Stabilisierung des Betroffenen zu erreichen.
Wieder hatte ich gestockt – es war also nicht möglich, dass Hannah jemals wieder normal werden würde? Doch ich hatte mich wieder gefangen.
Wie in Trance war ich an das Telefon gegangen und meine Finger hatten die Nummer von Hannah gewählt. „Hannah, ich will jetzt genau wissen, was mit dir los ist! Was passiert bei dir zuhause, dass du so weinen musstest? Schlägt dich dein Vater? Oder deine Mutter? Hast du Probleme? Hannah, ich war immer für dich da, aber du hast es nie ausgenutzt! Aber vielleicht brauchst du die Hilfe ja! Du brauchst dich doch vor mir nicht schämen! Glaubst du denn, dass ich nie Probleme gehabt habe? Dass bei mir immer alles in Ordnung ist? Ich habe dich schon so oft gefragt und dieses Mal sagst du es mir!“ Es war ein langes Schweigen auf der anderen Seite gewesen. „Hannah?“ Sie hatte mir nicht geantwortet und es hatte mich in Rage gebracht. „Du erzählst es mir jetzt Hannah! Und ich warte nicht länger! Ich habe nun schon mindestens acht Jahre darauf gewartet, dass du mir vertraust, dass du einmal auch mir Freundschaft beweist! Lange mache ich das nicht mehr mit!“ Ich hatte aufgelegt und mich auf das Bett geworfen, weinend. Kurze Zeit später hatte das Telefon geklingelt. Als ich an das Telefon gegangen war, war Hannah daran gewesen und sie hatte geschrieen. „Du weißt doch echt gar nichts, Lina! Du hast nie das durchmachen müssen, was ich durchgemacht habe! Du willst es also hören? Manchmal höre ich in meinem Kopf so komische Stimmen. Sie sind nicht in echt da, sondern sie sind nur in mir. Und erst wenn ich dann mich ritze, sind sie weg und ich fühle mich besser. Oder manchmal bin ich irgendwo, wo ich nicht hingegangen bin oder mich nicht erinnern kann wie ich da hingegangen bin. Lina, hilf mir! Ich bin doch anders! Aber ich will das nicht! Was soll ich denn machen? Ja, Lina, mein Vater hat mich schon oft vergewaltig, sogar schon als ich sechs war! Erinnerst du dich noch an den Einschulungstag? Da, wo ich so geweint hab? Ja, da war er es auch, er hat es einfach gemacht und ich habe mich so schrecklich gefühlt! Meine Mutter war ja nie da und ich habe mich einfach so geschämt! Für alles! Ich hätte es dir nicht erzählen können, denn du hättest mich doch nur für verrückt erklärt! Aber wenn du es jetzt sowieso weißt!...“ Ich hatte nur noch Schluchzen gehört und mich schlecht und klein gefühlt. Wie sollte ich ihr denn helfen? Nach einer kurzen Weile war Hannah wieder einmal anders gewesen. „Help me, Lina! I think Hannah and we all in her need your help! Do you think you can handle this?” Ich mit meinem schlechten Englisch hatte nur irgendetwas gebrabbelt, jedoch versucht, ihr zu helfen. Als sie aufgelegt hatte, war ich erst einmal völlig emotionslos und leer gewesen. Hannah hatte eben nur das bestätigt, was ich im Internet gelesen hatte. Sie war multipel. Warum musste es denn meine beste Freundin sein? Ausgerechnet Hannah! Und ihr Vater war an allem Schuld. In mir war die Wut nur so hoch gekocht. Entschlossen war ich zu meiner Mutter gegangen und hatte ihr all das erklärt. Wir waren mit Hannah und ihrer Mutter vor Gericht gezogen und da durch Hannah und Hannahs Mutter bestätigt worden war, dass der Vater von Hannah sie vergewaltigt und brutal geschlägert hatte, hatten wir den Fall gewonnen und der Vater hatte das gesamte Sorgerecht an seine Frau verloren. Ein kleines bisschen sauer war ich auch auf Hannahs Mutter gewesen, da sie niemanden von den Schandtaten ihres Mannes erzählt hatte, aber als sie mir erklärt hatte, dass Jürgen auch sie geschlägert und verprügelt hatte, hatte ich ihr verziehen.
So hatte Hannah ihren Vater nie wieder sehen müssen und wir hatten mit der Therapie von Hannahs Dissoziativen Identitätsstörung beginnen können. Und dann war natürlich der schwierige Teil gekommen, der Teil in dem ich ihr erklären musste, was sie war. Ich war mir ja noch nicht einmal sicher gewesen, so hatte ich es einfach wieder dem Therapeuten überlassen. Ich hatte mich einfach wieder an den Computer gesetzt und einen Therapeuten für sie ausgemacht. Und durch dessen Haustür schritten wir gerade. Ein eigenartiger Geruch stieg uns entgegen und ich spürte wie Hannah meine Hand immer fester drückte. Ich wusste, dass sie Angst hatte, vor dem Therapeuten und vor allem vor sich. Eine Angestellte, die ziemlich sympathisch wirkte, sprach uns an. „Was kann ich denn für euch tun? Habt ihr einen Termin?“ Ich wartete, dass Hannah etwas sagte, doch sie blieb still. So antwortete ich für Hannah. „Ja, den haben wir. Bei Dr. Theluri.“ „Dr. Theluri? Hannah Yves?“ Sie schaute mich fragend an, doch ich schüttelte den Kopf. „Das“, ich nickte zu Hannah rüber, „das ist Hannah.“ Und das erste Mal seit wir in der Praxis waren machte sie den Mund auf. „Wo sind wir, Lina?“ Die Angestellte, die laut ihres Namenkärtchen Anna hieß, wirkte nicht wirklich überrascht. „Hannah, wir sind hier in der Praxis von Dr. Theluri, deinem Therapeuten.“ „Ach ja.“ Hannah wirkte verwirrt, doch sie sagte nichts. Anna richtete das Wort wieder an mich, vielleicht hatte sie den Eindruck, dass ich sie besser verstand als Hannah. „Setzt ihr euch noch kurz ins Wartezimmer? In Kürze wird Dr. Theluri dann Zeit für euch haben.“ Sie nickte uns zu und verschwand nun rasch in einem anderen Zimmer. „Komm Hannah, wir setzten uns, okay?“ Hannah nickte nur und wir setzten uns gemeinsam auf ein paar kalte, weiße Stühle in dem Wartezimmer. Uns gegenüber saß ein Junge, der anscheinend Selbstgespräche führte, neben diesem saß ein Mädchen, das einfach nur total geschockt und mitteilnahmslos auf ihrem Stuhl saß. Hannah sagte nichts. Sie schaute mich nur an, voller Verständnis und voller Weisheit. Diese Persönlichkeit fand ich am Schlimmsten und ich kannte sie schon länger. Die alte Hannah, die für alles und jeden Verständnis hatte und nie etwas gegen etwas sagte, verunsicherte mich. „Na, Schatz, sind wir hier wegen dir hergekommen?“ Seufzend wollte ich es ihr erklären. „Nein, Hannah-“, doch Hannah unterbrach mich. „Nein, nein, ich heiße nicht Hannah! Mein Name ist Gwendolyn. Das hast du doch bestimmt schon gemerkt, oder?“ Ich wurde immer verwirrter. Klar, Hannah war oft anders gewesen und oft war sie auch diese alte, weise Persönlichkeit gewesen, doch ich hatte nicht gewusst, dass die verschiedenen Persönlichkeiten und Teile von ihr auch andere Namen hatten. Das war heute das erste Mal gewesen, dass ein Teil ihrer Persönlichkeit auf einen anderen Namen hörte.
Ein etwa um die 30 Jahre alter, braunhaariger Mann in Jeans kam ins Wartezimmer. „Hannah Yves?“ Ich hob die Hand für Hannah, den diese machte keine Anstalten auf den Namen Hannah zu hören. „Sie ist Hannah.“ Ich zeigte auf Hannah. Und dieser Mann war weder verunsichert oder verwundert, sondern sprach mit Hannah ganz normal. Er reichte ihr die Hand. „Dr. Theluri, sehr angenehm. Wie heißt du?“ „Gwendolyn.“ Er schien weder beeindruckt noch verwirrt sondern eher bestätigt. „Ah, Gwendolyn, du hast also einen Termin?“ Ein Ruck ging durch Hannah und sie reichte Dr. Theluri erneut die Hand. „Ich heiße Hannah und sie?“ Mit einem Lächeln gab er ihr wieder seine Hand. „Dr. Theluri. Hannah, ich denke es wäre das Beste, wenn du jetzt einmal mit mir kommen würdest.“ Hannah erhob sich, blickte mich hilflos an und folgte Dr. Theluri. Dr. Theluri führte sie in ein Zimmer nahe dem Wartezimmer. Bevor sie ihm jedoch in das Zimmer folgte, wandte sie sich um und winkte mir noch einmal zu. Ich winkte ihr zurück und seufzte. Manchmal war es schwer Hannahs Wechseln zu folgen, sie verwirrte einen immer aufs Neue. Und jetzt hieß sie auch noch anders. Neugierig wie ich war, suchte ich mir einen anderen Stuhl, der Tür, in der Hannah und der Therapeut waren, am Nächsten. Leise hörte ich Hannahs Stimme und die Stimme Dr. Theluris. Ich kam mir aber schlecht vor, deshalb versuchte ich nicht dem Gespräch zu folgen. Langsam ließ ich meinen Blick durch das Wartezimmer schweifen und mein Blick blieb an einer roten Uhr an der Wand vor mir hängen. Meine Augen verfolgten so den Sekundenzeiger wieder und wieder, machten eine neue Runde und eine weitere. Ich zählte die Runden nicht und ich wusste nicht genau wie viel Zeit vergangen war, als sich die Tür wieder öffnete und Hannah heraustrat. „Du sollst rein.“ „Was? Ich? Was soll ich da drin?“ Doch Hannah lächelte mich nur wie einen Menschen, den man noch nie zuvor gesehen hatte, an und setzte sich schweigend auf einen Stuhl. Verwirrt ging ich in die offene Tür in das Zimmer. Das Zimmer war schwer zu beschreiben. Es war voll mit lauter grünen Pflanzen und die Farbe der Wände war rot. Dr. Theluri lächelte. „Setz dich doch“, er stockte. „Lina.“ „Lina.“ Er lächelte erneut und deutete auf den roten Sessel vor seinem Tisch. Ich setzte mich. „Wieso bin ich hier?“ „Hannah hat mir von dir erzählt. Sie sagte, dass du sie schon seit du vier bist kennst und dass du sie eigentlich immer begleitest hast. Deshalb wollte ich dir einfach mal ein paar Fragen über Hannah stellen. Hast du denn schon öfter komisches Verhalten bei ihr bemerkt?“ Ich nickte. „Das erste Mal war in der vierten Klasse gewesen, bei der Fahrradprüfung. Sie konnte immer gut Fahrrad fahren und da konnte sie es einfach nicht mehr und sie hat sich benommen wie die sechsjährige Hannah mit dem Sprachfehler. Und nach diesem Vorfall ist es dann immer öfter vorgekommen.“ Dr. Theluri machte sich Notizen. „Ich weiß, du weißt über ihre wahrscheinliche Dissoziative Identitätsstörung Bescheid, deshalb musst du mir exakte Angaben geben!“ Ich nickte und er fuhr fort. „Was hast du denn für Wechsel in ihrem Verhalten gesehen? Welche verschiedenen Verhaltensmuster hast du denn bemerkt?“ „Es gibt in Hannah viele Persönlichkeiten. Soll ich die häufigsten nennen?“ „Die hast du dir gemerkt?“ Dr. Theluri schien beeindruckt. „Ja, natürlich, wenn du sie nennen kannst.“ Also fing ich an. „Es gibt die ganz normale 14 jährige Hannah, die auch Hannah heißt.“ Er winkte ab um eine Frage zu stellen. „Kommt denn diese am Häufigsten vor?“ „Ja, das ist die Hannah die ich mit vier Jahren kennen gelernt hab und meine beste Freundin.“ Erneut machte er sich Notizen. Als er merkte wie ich ihn beobachtete, bedeutete er mir weiter zu reden. „Dann gibt es auch noch eine kleine, sechsjährige Hannah, die von der ich ihnen erzählt habe. Und vorhin haben sie ja schon Gwendolyn kennen gelernt. Das ist die alte, weise Frau, mit den Grübchen in den Wangen. Hmmm, ich glaube das waren alle, die öfter kommen… Nein, da gibt es noch eine sehr häufige. Die Englisch sprechende Hannah.“ Der Kopf von Dr. Theluri fuhr hoch. „Hannah hat eine Persönlichkeit mit einer Fremdsprache?“ Ich nickte, über seine Reaktion etwas überrascht. „Wieso, haben sie denn noch nie eine multiple Persönlichkeit mit einer Fremdsprache erlebt?“ „Nein, dass ist auch ziemlich selten und ungewöhnlich. Obwohl man bei einer Dissoziative Identitätsstörung nichts als besonders komisch und ungewöhnlich abstempeln kann. Es gibt sogar multiple Personen, die bei einem Wechsel der Persönlichkeiten auch das Geschlecht oder die Augenfarbe wechseln. Oder noch skurriler, es gibt auch Persönlichkeiten, die den Menschen, der ihnen das ganze Leid zugefügt hat, lieben.“ Ich sah ihn ungläubig an und er nickte ernst. „Ja, wenn man nicht eingeweiht ist, ist es ziemlich schwer zu deuten, wenn der Mensch, der vor einem sitzt, plötzlich die Augenfarbe ändert oder andere Sachen macht.“ Unser Gespräch dauerte sehr lange und ich war erschöpft und müde als ich aus dem Zimmer trat. Ich rieb mir die Augen und blickte mich danach um. „Hannah?“ Mein Ruf verhallte im Nichts. „Gwendolyn?“, versuchte ich mich an dem Namen von Hannahs alter Persönlichkeit. Doch es kam keine Artwort. Hilfe suchend wand ich mich an Anna, die nun hinter dem Empfangspult stand. „Entschuldigung, ich suche meine Freundin Hannah. Sie haben sie ja vorhin gesehen, wissen sie vielleicht wo sie ist?“ Anna nickte und ich war voller Hoffnung. Doch die nächsten Worte von Anna zerstörten diese sofort. „Hannah ist schon raus gegangen. Sie sagte etwas davon, dass sie nicht wisse, wo sie sei und dass sie ihren Vater suche.“ Mir wurde fast schwarz vor Augen. Sie sucht ihren Vater. Ihren Vater? Ihren Vater, der sie vergewaltigt hatte? Mir fielen die Worte von Dr. Theluri wieder ein. Sie brannten sich in mein Gehirn, wie als wäre es ein Brenneisen. Oder noch skurriler, es gibt auch Persönlichkeiten, die den Menschen, der ihnen das ganze Leid zugefügt hat, lieben. Es hatte sich also eine neue Persönlichkeit herausgebildet und diese liebte ihren Vater. Panisch packte ich mein Telefon aus und rief meine Mutter an. „Mum, Hannah ist nicht mehr da! Ich glaube, sie hat eine neue Persönlichkeit rausgebildet und die liebt ihren Vater! Das muss bedeuten, dass sie auf dem Weg zu ihrem Vater ist. Kannst du mich abholen?“ Meine Mutter keuchte, so als wäre sie schon auf dem Weg und ich murmelte noch ein kurzes „Danke“ ins Telefon und legte auf. Aufgebracht und verstört rannte ich aus der Praxis auf die Straße. Unruhig wartete ich auf meine Mutter. Die Minuten verstrichen im Schneckentempo und ich stampfte mit dem Fuß auf. Wo blieb meine Mutter? Schließlich, nach mindestens zehn Minuten sah ich den roten Jeep meiner Mutter und ich rannte ihr fast vor den Waagen. Ich stieg ein und meine Mutter brauste los. „Mist, verdammter. Wo wohnt denn ihr Vater?“ Meine Mutter schaute mich hilflos an. „Ich hab keine Ahnung! Aber vielleicht weiß Beate ja etwas.“ „Gute Idee.“ Ich kramte erneut in meiner Jackentasche nach meinem Telefon und tippte die Nummer von Hannahs Mutter ein. Schon nach dem ersten Läuten meldete sie sich. „Ja, Yves, Hallo?“ „Hallo ich bins Lina.“ „Lina! Wie geht es Hannah?“ „Das ist ja das Problem…“, nuschelte ich ins Telefon. „Was? Was ist mit Hannah? Ist ihr was passiert?“ „Sie hat noch einmal eine andere Persönlichkeit gebildet und diese liebt ihren Vater! Sie ist auf dem Weg zu ihm!“ „Zu Jürgen? Was? Das kann doch nicht sein!“ „Wir wollen ja schon zu ihm fahren, aber wir wissen nicht wo er wohnt!“ „Georgien-Straße 12 in Lindau. Bitte beeilt euch!“ Sie schluchzte. „Ja, natürlich. Tschüss.“ Ich drückte den roten Hörer und steckte mein Handy wieder in die Jackentasche. „Hannahs Vater wohnt in der Georgien-Straße 12 in Lindau. Komm, fahr!“ Meine Mutter drückte aufs Gas und wir rauschten nur so an den anderen Autos vorbei Richtung Georgien-Straße 12, Lindau.

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Verfasst: Di 31. Mär 2009, 18:17 




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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Mi 1. Apr 2009, 21:24 
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Roman
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danke für eure Kritik :P

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Mi 1. Apr 2009, 23:16 
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Taschenbuch
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hm... Echt ein dicker Klotz, wenn mans nicht im Papier hat. Erst mal die guten Sachen:

Deine Schreibweise gefällt mir, auch die ausfürhlichen und scheinbar "studierten" erklärungen, der Rückblick und die Art, wie du deine Charaktere darstellst. Es klingt interessant, aber für mich nicht wirklich spannend, bin doch eher ein Fantasiefan XD Ist auf jeden Fall ein schwieriges und vor allem bewegendes Thema. Damit kommen wir zu den schlechten Dingen:

Ich kenne dieses Thema nur aus dem Fernsehen und aus dem Internet. Aber zu erst, mit welchem Alter hast du Dinge wie sagen wir mal glimpflich "Kinder machen" kapiert? Im alter von Sechs Jahren hat ein Mädchen nicht den blassesten Schimmer, was vergewaltigung bedeutet, wenn, dann erfahren sie das erst in der Pubertät. Soweit ich informiert bin ist es für Kinder, die schon von ganz frühem Alter immer wieder vergewaltigt wurden, schon normalität, nichts, dass sie Verraten müssten (ich weiß, dass hat sie auch nicht) erst recht nicht, wenns der Vater ihnen sagt. Was die Identitätsstörung betrifft kann es natürlich trotzdem noch dazu kommen, aber genau wie Hannah ist Lina meiner Meinung nach zu jung um das zu kapieren. Außerdem dachte ich, wenn es wirklich so früh anfängt kommen solche Störungen eher von Körperlicher Misshandlung im Sinne von Quälen (Foltern) also Körperlicher Verletzung durch Gewalteinwirkung, aber darüber bin ich nicht SO genau informiert. Dafür ist für mich die ganze Verhaltensweise weiter oben doch etwas zu genau beschrieben, auch wenn sie das im Alter von 14 Jahren berichtet, aber da wird sie sich nicht mehr sonderlich an ihre Vergangenheit erinnern, zumindest nicht an solche Einzelheiten. Ich habe auch einen Kindergartenfreund, den ich noch immer sehe, aber aus unserer Kindergartenzeit weiß ich so gut wie nichts mehr. Und wieso sollte sie sich daran erinnern, wenn es für sie damals unbedeutend war? Aus dieser Perspektive finde ich es weniger Gelungen das aus Linas Sicht zu berichten, zumindest in diesem Maße, wobei es natürlich hilfreich ist das Trotzdem zu wissen *verwirrt* Vielleicht sollte man den groben Anfang, also die Übersicht doch aus einer außenstehenden Perspektive schreiben
Von der Handlung mal abgesehen gibts einige Wiederhohlungen, die nicht wirklich passen und der ein oder andere Rechtschreib-, oder eher Wortfehler ist mir aufgefallen, wie zB. Mitteilnahmslos. Das Mit gehört da nicht hin ;)

Das mit dieser Identitätsstörung erinnert mich total ein eine Doppelfolge von Criminal Minds XD Da haben sie einen Typen mit drei Identitäten gesucht. Eine war sein Vater, ein möchtegern Religiöser vom Schlage Sekte, der seinen Sohn in seine Verrückte Glaubensrichtung zwingen wollte, einmal er selbst, der von seinem Vater in der Kindheit Misshandelt wurde, und einmal ein Racheengel, der Menschen getötet hat, von denen er meinte sie haben gegen die Gebote verstoßen, an die sein Vater etwas übertrieben und doch falsch geglaubt hat o0

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Do 2. Apr 2009, 19:17 
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Danke Leni, dass du ehrlich bist - so was wollte ich hören :D
Hmm? Tschuldigung, ich bin 13 und das erste mal, dass ich aufgeklärt wurde, war mit neun. Und auch als kleines Kind checkst du doch schon, wenn dein Vater Sachen macht, die du nicht möchtest, dir wehtut usw.
Außerdem - 13 oder 14jährige sind heutzutage schon entwickelter als es immer dargestellt wird (in film, fernsehen, medien...) Das also ist eigentlich nur Vorurteil.
Lina konnte sich ja nicht von sich aus an alles erinnern, vieles hat auch ihre Mutter ihr erzählt, sollte ich vllt einbauen :D
Die Criminal Minds Serie hat meine Mutter einen Tag nachdem ich meine Geschichte geschrieben hab, gesehen und mir davon erzählt - war lustig, ich schau kein Criminal Minds ;D

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Do 2. Apr 2009, 21:44 
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Das mit dem Weh tun mag stimmen, aber das es eigentlich falsch ist, was ihr Vater macht, das verstehen sie nicht, erst recht nicht, wenn er ihnen was anderes erzählt. Ich denke durch das "weh tun" könnte das am ehesten eine Zweit Person erfahren und selber Schlussvolgerungen ziehen, aber durch das "vergewaltigen" eher nicht.
Ein weiterer Punk, der mir noch eingefallen ist: Bei so kleinen Kindern würde das zu schlimmen Verlezungen führen, erst recht, wenn es weh tut, wahrscheinlich würde s sogarirgendwann aus heiterem Himmel anfangen zu bluten, das würde eigentlich schon früher auffallen. Dass Hannah, oder ihre Mutter, ihrer Besten Freundin nichts davon erzählt hat ist klar, aber das die Mutter das so lange nicht mitkriegt, wenn sie nicht getrennt leben, ist eher unwahrscheinlich, denke ich

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Fr 3. Apr 2009, 14:02 
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Leni, immer noch danke :D
ohne dich wüsste ich nicht, was ich noch besser machen sollte :)
Ich habe aber geschrieben, warum die Mutter es nicht gesagt hat:
Zitat:
Ein kleines bisschen sauer war ich auch auf Hannahs Mutter gewesen, da sie niemanden von den Schandtaten ihres Mannes erzählt hatte, aber als sie mir erklärt hatte, dass Jürgen auch sie geschlägert und verprügelt hatte, hatte ich ihr verziehen.


Höhö ^^

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Fr 3. Apr 2009, 14:48 
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"Ein kleines bisschen sauer"? Gott, ich hätte die Mutter für Hannah mitgehasst. Und das Problem ist das gleiche wie bei deiner anderen Geschichte: Gerade deshalb (weil sie auch geschlagen wird) sollte sie ihr Kind nehmen und in ein frauenhaus gehen oder sich an Verwandte ihrerseits wenden. Für ein Kind vergisst man doch auch das eigene Wohl, oder nicht?

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Fr 3. Apr 2009, 15:08 
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Roman
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Diese nicht...
Eigentlich steckt sie ja mit dem Vater von Hannah unter einer - ...
Oh, das wollte ich ja eigentlich nicht sagen ;D
Lest doch die Fortsetzung :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Sa 4. Apr 2009, 00:53 
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Wenn so etwas in der Art vorkommt, würde ich die Gründe zumindest etwas offenlassen, (stärker) andeuten, dass die Mutter ganz bestimmte Gründe hat, ohne auf sie einzugehen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Diagnose
BeitragVerfasst: Sa 4. Apr 2009, 15:08 
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^^ danke, ich werds mir noch ma anschauen :D

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